Das Schauspiel Woyzeck blieb nur als fragiles Fragment des bedeutenden deutschen Dichters und Dramatikers Georg Büchner erhalten, das nach seinem Tod im Jahr 1837 erschien. In der Weltliteratur nimmt das Werk eine einzigartige Stellung ein. Nicht allein deshalb, weil es auf der Grundlage einer wahren Begebenheit des Soldaten Woyzeck basiert, sondern auch deshalb, weil es eine neue Art der Sprache, des offenen Dramas einführt, die mit einer freien Anordnung von Szenen und starker Emotionalität sowie Bildhaftigkeit arbeitet. Das Schauspiel wurde zu einem der meist gespielten Stücke und beeinflusste zahlreiche Künstler.
Woyzeck ist ein gewöhnlicher Mann, der für sein Überleben und für die Absicherung seiner Familie mehreren Beschäftigungen nachgeht. Er rennt wie ums Leben, um das Leben selbst zu bewältigen. Er lässt ein medizinisches Experiment auf sich wirken, geht tausenden kleinen Beschäftigungen nach, kümmert sich um seine Partnerin und um sein Kind, um den Lebensunterhalt und einen gewissen Komfort zu sichern. Er gerät in einen unendlichen Strudel von Bedürfnissen, Pflichten sowie eigenen Sehnsüchten.
Es ist eine dynamische sowie dramatische Achterbahnfahrt. Es scheint jedoch nie genug zu sein und der Leistungsdruck steigt. Ist es seine Wahl oder sind es die Anforderungen seines Umfelds? Seine Bemühungen alles zu schaffen, wirken sich auf seine körperliche sowie geistige Gesundheit aus. Wie groß ist der Druck seitens der Gesellschaft und der Druck, den er sich selbst auferlegt, dem er standhalten muss? Büchner schuf eine Welt, in der der Mensch zwischen den eigenen Entscheidungen und den Grundvoraussetzungen für das bloße Überleben hin und her schwankt. Was stumpft unsere Gefühle und Moral ab? Die schlechte soziale Lage oder der Verlust der Menschlichkeit, wenn es bei diesen gewöhnlichen Mann zum Bruch kommt, der ihn zwingt sich über die Grenzen der Moral hinwegzusetzten?
Es handelt sich um die erste Aufführung des Schauspiels Woyzeck auf der Bühne des Schauspiels des SND.