Eugen Suchoňs Katrena zählt zu den Hauptwerken der slowakischen Opernkunst – und zugleich zu jenen, deren Geschichte längst die Grenzen ihres Entstehungslandes überschritten hat. Das Motiv stammt aus der Novelle Milo Urbans Za vyšným mlynom (Hinter der höher gelegenen Mühle): zwei Männer lieben eine Frau, die Eifersucht führt zum Mord und das Verbrechen kehrt in Form von unerträglichen Gewissensbissen zurück. Im Hintergrund des relativ einfachen Liebesdreiecks werden Themen von Schuld, Verantwortung, Sühne und der Möglichkeit der Vergebung aufgestellt.
Suchoň komponierte Katrena in den Jahren 1941 – 1949. Nach der Uraufführung stieß das Werk jedoch auf ideologische Vorbehalte seitens der kommunistischen Zensur und der Komponist war gezwungen die ursprüngliche Form der Oper zu ändern. Die Inszenierung des Nationaltheaters Košice abrietet mit einer Mischversion: sie greift auf das ursprüngliche Libretto zurück, nutzt zugleich die späteren Anpassungen des Autors.
Die renommierte deutsche Regisseuren bulgarischen Ursprungs, Vera Nemirova, löst Katrena von ihrem folkloristischen Dekorativismus los, und entlarvt sie als packendes psychologisches Krimi-Drama. Im Mittelpunkt ihres Interesses steht nicht das nach außen hin als Idylle wirkendendes Dorf, sondern der Mensch, der unter der Last seiner Tat allmählich psychisch zusammenbricht. Nemirova situiert die Geschichte in das minimalistische Bühnenbild Stephan Braunfels, dem ein monumentaler Mühlenstein dominiert – als Symbol von Schicksal, Schuld und Wirbel, vor denen es kein Entkommen gibt.
Die Inszenierung entstand aus Anlass des 75. Jubiläums der Uraufführung der Oper und fand großen Anklang beim Publikum, rief jedoch auch Kritik hervor. Die musikalische Einstudierung übernahm Peter Valentovič, der in Suchoňs Partitur Poesie, dramatische Spannung sowie emotionale Kraft voll zu Geltung kommen lässt.
Im Rahmen des Gastauftritts der Oper des Nationaltheaters Košice im SND, wird Katrena als lebendiges Werk dargeboten, das für den zeitgenössischen Zuschauer bestimmt ist – nicht als nationale Pflichtklassik, sondern als zeitgemäße Geschichte von Verbrechen, Gewissen und Erlösung.
Inszenierungsteam
Musikalische Leitung und Dirigent Peter Valentovič
Inszenierung Vera Nemirova
Bühnenbild Stephan Braunfels
Kostüme Simona Vachálková
Choreografie Marek Šarišský
Video-Design Bea Kolbašovská
Choreinstudierung Peter Valentovič
Dramaturgie Stanislav Trnovský
Besetzung
Štelina Jozef Benci (9. 9.), Gustáv Beláček (10. 9.)
Ondrej Michal Lehotský (9. 9.), Titusz Tóbisz (10. 9.)
Katrena Eva Katráková Bodorová
Zimoň Mihály Podkopájev
Zimoňka Viera Kállayová
Zalčíčka Tatiana Paľovčíková-Paládiová
Školnica Jitka Sapara Fischerová
Marka Michaela Várady
Zuzka Terézia Kružliaková
Hirtenjunge Aneta Hollá
Krúpa Anton Baculík
Hríň Marián Lukáč
Oleň Marek Gurbaľ
Hochzeitslader Oliver Olejár
Hochzeitsladerin Zuzana Orlovská
Erster Brautführer Filip Kostrub
Frau Ľubica Strapáčová
Köchin Alena Fialeková
Gendarmerie-Kommandant Pavol Spišský
Gendarm Tomáš Hodermarský
Erster Mann Pavol Kovaľ
Zweiter Mann Marek Mochnáč
Jano Štelina Jakub Kuka
Mitwirkende Orchester und Chor der Oper-NDKE, Ballett-NDKE, Männerchor- NDBB (Nationaltheater Banská Bystrica)
In der Inszenierung „Katrena“ werden Licht-, Ton- und andere Ausdruckseffekte (einschließlich Schüsse), Rauch, Rauchen und ausdrucksstarke Formulierungen verwendet.
Die Inszenierung ist für Zuschauer unter 16 Jahren nicht geeignet.