Das Theaterprojekt Tatarka, das auf einem Teil des literarischen Werks von Dominik Tatarka (Prútené kreslá, Démon súhlasu, Sám proti noci) angelehnt ist, erschafft einerseits das Bild mehrerer Epochen/ Momente des vergangenen Jahrhunderts in Europa aus der Sicht und der emotionalen Wahrnehmung des Autors und vermittelt zugleich die Beichte eines Einzelnen in der Zeit des massenhaften und demagogischen Denkens. Tatarkas sich wiederholender literarischer Protagonist Bartolomej Slzička befindet sich in diesem Projekt als Student in Paris des Jahres 1938 kurz nach dem Münchner Abkommen, danach als Nationalschriftsteller im tschechoslowakischen Kulturpalast im Jahr 1956 und folglich als verfolgter Dissident in den Jahren der Normalisierung (1978), und schließlich im Mai 1989 als alter Mann, der auf etwas wartet, das er nicht mehr erleben wird. Das Projekt Tatarka erfasst einen Teil vom literarischen Kosmos des Autors in seinem unendlich assoziativen, allegorischen gar traumhaften Charakter. Wenn auch der Großteil seines Werks nicht zu trennen ist von der jeweiligen Zeit, auf die es aufmerksam macht, ist es in Beziehung zu seinen allgemeinen Gedanken und Sehnsüchten zeitlos und auch für die heutigen Menschen stechend. Ist jedoch die zeitgenössische Gesellschaft bereit für Tatarka? Und ist diese Freiheit diejenige, die er sich vorgestellt hatte und nach der er sich sehnte? Oder sind völlig neue Dämonen aufgetaucht, gegen die sich Slzička aufgelehnt hätte?
Diese Vorstellung ist für Zuschauer unter 14 Jahren nicht geeignet.
Vorstellungsdauer: 2 Std. 30 Min. mit einer Pause
Premiere am 2. November, 2024
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