Die Novelle Der Straßenköter, 2011 mit dem Preis der Leserinnen und Leser Anasoft litera ausgezeichnet, erzählt wundervoll, bestechend realistisch und zugleich selbstironisch von der slowakischen Wesensart nicht nur kurz nach der Samtenen Revolution. Pavel Vilikovský hat mit dem exakten Blick eines durch die Jahre bewährten und erfahrenen Beobachters die Gemütslage einer postkommunistischen Gesellschaft der neunziger Jahre eingefangen, für die sich gerade die Tür zum Westen öffnete.
Die Geschichte dreht sich um den Redakteur Iks Ypsilon, der in Österreich zwei slowakische Literaten präsentieren soll, obwohl es sich bei beiden nicht gerade um deren bedeutendste Vertreter handelt. Die Gedankengänge des Redakteurs sind der Rahmen zahlreicher Mikroerzählungen, tragikomischer Situationen, brüsker Assoziationen und treffender Kommentare zu Themen wie unverfälschtem Slowakentum, Nationalcharakter und Kleingeistigkeit. Er tritt in gewisser Weise in die Fußstapfen des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard. Nebeneinander oder einander gegenüber stehen plötzlich Erfahrungen und historische Peripetien zweier kleiner benachbarter Völker.
Auf Streifzügen durch die österreichische Provinz begegnet dem Redakteur, wie durch ein Wunder, Margarethe, woraufhin in der Erzählung eine weitere Ebene freigelegt wird. Sie berichtet von unterschiedlichen Facetten der Liebe, von Reife und der Notwendigkeit, das Leben zu leben, solange man die Möglichkeit dazu hat.
Der Straßenköter ist brillante Literatur über Literatur - und über Kultur, die von Ironie und Distanz aber auch Feinfühligkeit und Verständnis durchdrungen ist. Vilikovský definiert uns Slowaken vielleicht am besten: „Meine lieben Slowaken! Wann werdet ihr endlich begreifen, dass wenn jemand einen Slowaken genau nach seinen Vorstellungen haben will, er sich die Mühe schon selbst machen muss?“
Dušan David Pařízek wurde für Der Straßenköter der Dosky-Preis 2024 in der Kategorie Beste Regie der Saison zugesprochen.
Die Inszenierung wurde mit dem Dosky-Preis 2024 in der Kategorie Beste Inszenierung der Saison ausgezeichnet.
Alexander Bárta, Ľuboš Kostelný, Robert Roth und Richard Stanke erhielten für ihre herausragenden schauspielerischen Leistungen den Tatra-Bank-Stiftungspreis für die Künste.