Der Sturm wird in Shakespeares Werk gelegentlich als sein Testament bezeichnet. Das letzte Schauspiel, in dem sich alle Leitmotive seiner Komödien und Tragödien nachverfolgen lassen; junge Verliebte, manipulative Machtkämpfe unter Herrschern, eine Welt von mythischen Wesen sowie verwirrte Narren und Clowns, eine Welt des Chaos, die zur Ordnung zurückkehrt.
Auf der verlassenen Insel herrscht Prospero, dem das überirdische Wesen Ariel dient, Prospero riss die Insel von Caliban an sich. So beginnt eine Mischung von Missverständnissen, vom Warten auf eine neue Chance, von Sehnsucht nach Liebe und vielem wird durch Zauberei verholfen. Es ist ein Schauspiel, das als Märchen gelesen werden kann sowie als mystische Botschaft oder als eine lebendige Welt in der sich die menschlichen Gemeinschaft in ihren unerfüllten Sehnsüchten und Ambitionen verstrickt, die in Frustration gipfeln und den Kreislauf der Unzufriedenheit am Laufen halten. Kann man so einen Kreislauf unterbrechen und neuen Sinn finden? Welchen Sinn hat das Theater noch für uns? Im geheimnisvollem Umfeld einer Insel gibt schließlich der Schöpfer Prospero seine Meisterkunst auf und er zerbricht seinen Zauberstab, mit dem er über die Magie, Elemente und Menschen herrschte. Es folgt die Befreiung. Im Sturm tritt deutlich das Theater im Theater hervor, Prosperos Spiel mit den anderen sowie die Spiele der anderen um ihr Lebensglück. Die Insel ist, ähnlich wie unsere Welt, voll von unendlicher Sehnsucht nach erfüllter Liebe, von einer besseren Stellung, von einem solideren Leben und von Akzeptanz. Welche Bedeutung spielen Stürme und grundlegende Brüche in unserem Leben? Wie fegen sie über uns hinweg und wohin können sie uns treiben?